Genie im Bauernkittel: Johann Georg Palitzsch und das Wunder von Prohlis
Aus dem Dresdner Bauerndorf Prohlis heraus schrieb Johann Georg Palitzsch europäische Wissenschaftsgeschichte: Als Erster erblickte er Weihnachten 1758 die vorausgesagte Wiederkehr des Halleyschen Kometen und bestätigte damit Newtons Gravitationsgesetze. Die Bilddokumente zeichnen den Lebensweg des berühmten sächsischen Universalgelehrten nach – von seinen zeitgenössischen Porträts mit Fernrohr und Himmelsglobus über die historische Kometenbeobachtung bis hin zum authentischen Vierseithof in Prohlis, der einst Gelehrte, Minister und Fürsten anzog.
„Friedrich Theiles Arbeit ist die erste und wichtigste Biografie über den Prohliser Bauerngelehrten, die nach wissenschaftlichen Maßstäben entstand. Dass sich der Wahrheitsgehalt mancher Überlieferung auf das Anekdotische beschränkt, war Theile klar und tut dem Lese-vergnügen seines Werkes keinen Abbruch.“
Peter Neukirch, Leiter des Palitzsch-Museums Dresden-Prohlis
Hörprobe: Kindheit und Wissensdurst des Bauernastronomen
Verleger Matthias Schildbach liest aus der Biografie von Friedrich Theile: Erleben Sie die frühen Jahre von Johann Georg Palitzsch im Dorf Prohlis – von seinem unersättlichen Leseeifer über theologische Schriften bis hin zu jener kindlichen Faszination für Natur und Sterne, die ihn später weltberühmt machen sollte.
Geboren 1723 in Prohlis musste Palitzsch schon früh mit in der Wirtschaft helfen. Mit 13 Jahren wurde er Zeuge eines Gespräches seines Vaters mit dem Müller der Sedlitzer Mühle, die sich angeregt über die Sterne unterhielten. Jener Tag entfachte ein Feuer der Leidenschaft in dem jungen Palitzsch, das zeitlebens brennen sollte.
Durch seine Forschungen und eine nicht müde werdenden Antrieb, Kontakte zu Institutionen und Gelehrten zu suchen, erreichte Johann Georg Palitzsch sehr schnell das Bekanntwerden seines Namens und seiner Forschungen.
Palitzsch war es, der die nach 75 Jahren von Halley vorhergesagte Wiederkehr des Kometen im Jahr 1758 als Erster in Europa wahrnahm. Das Revolutionäre daran war, dass man das Erscheinen eines Kometen erwartete, d.h. mit seiner rhythmischen Wiederkehr rechnete. Bis dahin waren Kometen am Himmel immer unerwartet und lösten bei den Menschen düstere Deutungen für die nahe Zukunft aus. Mit der Wiederkehr des Kometen war auch Isaac Newtons Gravitationstheorie bewiesen. Aus Verwunderung über die Leistung eines kursächsischen Bauern wurde bald Bewunderung.
In den nachfolgenden Jahren wurde Palitzsch immer wieder auf seinem Bauerngut von Ministern, Wissenschaftlern und selbst den Fürsten seiner Zeit aufgesucht. Dass er ein ausgesprochen gutes Verhältnis zum sächsischen Kurfürsten hatte, ist durch vielerlei Anekdoten verbürgt.
Nicht nur die Sterne übten Faszination auf Palitzsch aus. Er bildete sich in Physik und Botanik weiter, so dass er – ebenfalls als Erster – das Vorkommen des Süßwasserpolypen in Sachsen nachwies. Sein Bauernhof war das reinste Museum, er soll am Ende seines Lebens über 3.500 Bücher besessen haben; eine naturwissenschaftliche Sammlung, die heute ein ideelles Vermögen darstellen würde sowie einen botanischen Garten mit exotischen Anpflanzungen von allen Kontinenten der Erde.
Das 1877 erstmals veröffentliche Lebensbild des Prohliser Bauernastronomen wurde zeitgemäß neu editiert. Es entstand in Kooperation mit dem Palitzsch-Museum Dresden.
Herausgeber: Matthias Schildbach
Autor: Friedrich Theile (1814-1899)
Angaben zum Buch: Taschenbuch, 127 Seiten, 13 Abbildung
Maße: 21 x 13,5 x 0,7 cm
Geboren 1723 in Prohlis musste Palitzsch schon früh mit in der Wirtschaft helfen. Mit 13 Jahren wurde er Zeuge eines Gespräches seines Vaters mit dem Müller der Sedlitzer Mühle, die sich angeregt über die Sterne unterhielten. Jener Tag entfachte ein Feuer der Leidenschaft in dem jungen Palitzsch, das zeitlebens brennen sollte.
Durch seine Forschungen und eine nicht müde werdenden Antrieb, Kontakte zu Institutionen und Gelehrten zu suchen, erreichte Johann Georg Palitzsch sehr schnell das Bekanntwerden seines Namens und seiner Forschungen.
Palitzsch war es, der die nach 75 Jahren von Halley vorhergesagte Wiederkehr des Kometen im Jahr 1758 als Erster in Europa wahrnahm. Das Revolutionäre daran war, dass man das Erscheinen eines Kometen erwartete, d.h. mit seiner rhythmischen Wiederkehr rechnete. Bis dahin waren Kometen am Himmel immer unerwartet und lösten bei den Menschen düstere Deutungen für die nahe Zukunft aus. Mit der Wiederkehr des Kometen war auch Isaac Newtons Gravitationstheorie bewiesen. Aus Verwunderung über die Leistung eines kursächsischen Bauern wurde bald Bewunderung.
In den nachfolgenden Jahren wurde Palitzsch immer wieder auf seinem Bauerngut von Ministern, Wissenschaftlern und selbst den Fürsten seiner Zeit aufgesucht. Dass er ein ausgesprochen gutes Verhältnis zum sächsischen Kurfürsten hatte, ist durch vielerlei Anekdoten verbürgt.
Nicht nur die Sterne übten Faszination auf Palitzsch aus. Er bildete sich in Physik und Botanik weiter, so dass er – ebenfalls als Erster – das Vorkommen des Süßwasserpolypen in Sachsen nachwies. Sein Bauernhof war das reinste Museum, er soll am Ende seines Lebens über 3.500 Bücher besessen haben; eine naturwissenschaftliche Sammlung, die heute ein ideelles Vermögen darstellen würde sowie einen botanischen Garten mit exotischen Anpflanzungen von allen Kontinenten der Erde.
Das 1877 erstmals veröffentliche Lebensbild des Prohliser Bauernastronomen wurde zeitgemäß neu editiert. Es entstand in Kooperation mit dem Palitzsch-Museum Dresden.
Herausgeber: Matthias Schildbach
Autor: Friedrich Theile (1814-1899)
Angaben zum Buch: Taschenbuch, 127 Seiten, 13 Abbildung
Maße: 21 x 13,5 x 0,7 cm
Über den Autor
Friedrich Theile, Palitzschs bedeutendster Biograf, hatte selbst ein bewegendes Leben hinter sich, als er 1877 Palitzschs Lebensbild veröffentlichte. 1814 in Chemnitz geboren und später zum Arzt ausgebildet, ließ er sich in zunächst in Lungkwitz bei Kreischa nieder. 1849 ließ er sich vom Fieber der Revolution begeistern, was ihn in den kommenden Jahren mehrere Jahre Haft einbrachte. Erst zum Tode verurteilt, dann begnadigt und entlassen, war er mittellos.
Für seine Mitmenschen engagierte er sich außerordentlich sozial, besonders das Thema Bildung lag ihm am Herzen. Er wurde zu einem der umtriebigsten Heimatforscher seiner Zeit und wirkte maßgeblich an der Arbeit des Gebirgsvereins für die Sächsische Schweiz mit. Aus dem Verein ging 1908 der Landesverein Sächsischer Heimatschutz hervor.