Glückshaut
Erzählung
Taschenbuch, ca. 180 Seiten
ISBN 978-3-911765-07-7
16,00 € zzgl. Versand
Der 16-jährige Dietrich Abendroth wird im April 1944 durch die Einberufung zum Reichsarbeitsdienst mitten in den Untergang des Dritten Reiches gerissen. Statt auf dem Kohlenhof des Vaters in der Nähe von Dresden zu arbeiten, erlebt er als Kraftfahrer Bombennächte, Verrat und Fluchten durch ein Deutschland in Trümmern. Freunde fallen, Städte brennen – und Dietrich überlebt nur dank Glück, Mut und einer fast überirdischen Fügung.
Nach Kriegsende ist der Albtraum nicht vorbei: Dietrich kämpft sich durch ein besetztes Land zurück nach Hause. Dort wird er von den russischen Besatzern in Dresden als Automechaniker zwangsverpflichtet.
Auch diesem Schicksalsschlag entkommt er. Wieder daheim brechen alte Konflikte hervor. Über allem schwebt der Schatten des Geschäfts, der Schatten seines Vaters. Der ihn fast erdrückt. Und er weiß, er will mehr vom. Leben, als das Überleben.
Eine wahre Geschichte über Mut, Freiheit und den Wunsch nach einem eigenen Leben – packend erzählt und zutiefst berührend.
"Kurz nach Zehn waren die Bomber da. Dietrich stand mit ein paar anderen auf der Straße. Sie rauchten und sahen zu Boden. Das Bombardement von Dresden war bis hierher zu hören. Man ahnte, dass es Dresden voll erwischte.
Jetzt ist Dresden dran, sagte einer. Dann wurde nicht mehr gesprochen. Stille flutete die wirren Gedanken, wie ein schriller Schrei. Obstler lag auf der Pritsche, als Dietrich eintrat.
Und?, fragte er.
Denen können wir nicht helfen, sagte Obstler und zeigte auf die andere Pritsche. Dietrich legte sich hin.
Und es wollte nicht aufhören. Eine zweite Welle des Angriffs kam halb zwei am Morgen.
Dietrich dachte an seine Mutter und an die Brüder. Sporbitz lag nah an Dresden. Bombardierungen waren keine Filigranarbeit. Scheiße. Mit solchen Gedanken und Gefühlen gewann keiner einen Krieg.
Dietrich hatte gelernt, Gefühle zu unterdrücken. Er unterdrückte und schlief tief und fest in den paar Stunden, die ihm dazu blieben. Wurde wach. Im Westen sah man Dresden brennen, sagten einige. Er hatte in der Nacht nur das Grollen von Bomben in weiter Ferne gehört. Dabei waren das neunzig Kilometer. Am Tag trafen widersprüchliche Meldungen ein. Es stand wohl nicht mehr viel von den Gebäuden. Und die Menschen … Darüber dachte man lieber nicht nach. Es sollten immer noch Bomben fallen, hieß es."
Ulf Großmann, geboren 1968 im sächsischen Freiberg Sachsen, zeichnet sich durch seine literarische Vielseitigkeit aus: Er ist Redakteur der Zeitschrift für Literatur und Kunst Ostragehege, Mitherausgeber der Reihe Skeptische Zärtlichkeit (junge deutschprachige Lyrik) und Autor mehrerer Erzählungen und Gedichtbände. Literarische Preise und Stipendien kennzeichnen die Qualität seines Schaffens.
Zur Geschichte von Glückshaut hat Ulf Großmann einen eigenen biografischen Bezug: die historische Figur war einst sein Schwiegervater.